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Schulakten der US-Präsidenten: Das Kollektiv der Streber

2007.04.04

Künftige US-Präsidenten - zur Schulzeit Jungs wie alle anderen? Nur bedingt: George W. Bush sammelte eine Bestnote nach der anderen, genau wie Harry Truman und Franklin D. Roosevelt. Rabauken waren wohl nicht dabei, zeigt jetzt eine Ausstellung in Washington.

Wäre Harry Truman heute, und nicht vor mehr als 100 Jahren zur Schule gegangen, hätte man ihn vermutlich als Schleimer bezeichnet. Oder als Streber. In der Grundschule lobte seine Lehrerin sein "hervorragendes" Benehmen und verteilte reihenweise Einsen - obwohl der Schulstart des kleinen Harry zunächst nichts Gutes vermuten ließ.

Jugendsünden: Aus den Schultaschen der Präsidenten

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Am 13. September 1892 hätte er zum ersten Mal in der Klasse von Mira Erwin an der Noland Grundschule sitzen müssen. Aus heute unerfindlichen Gründen brachte Martha Ellen Truman ihren Spross aber erst rund vier Wochen später zum Unterricht. Als Harry dann erst einmal zur Schule ging, war sein Eifer kaum zu übertreffen - er verpasste keine einzige Unterrichtsstunde im gesamten ersten Schuljahr.

Das und mehr zeigt jetzt eine Ausstellung in Washington, die sich mit der Schul- und Hochschulzeit amerikanischer Präsidenten beschäftigt. Die mehr als 150 Ausstellungsstücke der National Archives geben den Blick frei auf die frühen Jahre der wohl mächtigsten Männer des 20. Jahrhunderts: Bill Clinton im Kindergarten, Richard Nixon als Teenager mit seiner Geige, Jimmy Carter als heimwehkranker Rekrut an der Navy-Akademie.

Harry Truman: Der Teufel und die Rechtschreibung

Man erfährt auch, dass Truman in der High School - wie viele andere nach ihm auch - Probleme mit Shakespeares "Kaufmann von Venedig" hatte. Auch bei der Rechtschreibung haperte es. In der achten Klasse schrieb er seiner Klassenkameradin und späteren Frau Bess Wallace: "Was die Rechtschreibung der englischen Sprache betrifft, bin ich mir sicher, dass sie vom Teufel persönlich geschaffen worden ist." Sein Heft liefert die passenden Beweise für seine Schwierigkeiten. Dort finden sich Schnitzer wie "miror", "allmost" und "beatiful".

Trumans hervorragenden Zeugnissen haben die Fehler keinen Abbruch getan. Ein Auszug aus einem Aufsatz, den er zum Thema "Mut" geschrieben hat, klingt schon beinahe wie ein politisches Manifest: "Ein ehrliches Herz, ein starker Wille und eine Menge Mut - es sind diese Dinge, die ein Mann braucht, um sich in der Welt zu Recht zu finden." Der spätere Präsident beendete seine Schullaufbahn im Mai 1901. Bei der Abschlussfeier gab es ein Gruppenfoto auf den Stufen vor der Schule, hinter den Schülern prangte ein Schild mit einer lateinischen Aufschrift: "Die Jugend ist die Hoffnung der Welt."

Richard Nixon: "Ich will in die Politik gehen"

"Wir zeigen den Besuchern, dass die 42 Präsidenten der USA zwar eine zahlenmäßig kleine und besonders privilegierte Gruppe sind, aber sie dennoch als Kinder und Jugendliche ganz normale Erfahrungen gemacht haben, die auch viele von uns teilen können", sagt die Koordinatorin der Ausstellung, Jane Nichols. Zwar fänden sich auf vielen Zeugnissen Fächer, die heute nicht mehr unterrichtet würden, wie zum Beispiel "Hygiene", aber die Situation sei dennoch zu vergleichen. "Wenn man die Präsidenten als Schuljungen sieht, dann wirken sie wie ganz normale Jungs."

Bei den meisten Präsidenten der USA gibt es allerdings weniger zu meckern als bei ganz normalen Jungs. Die Lehrerin von Franklin D. Roosevelt vermerkte auf seinem Zeugnis: "Der Junge fällt als besonders intelligenter und gewissenhafter Schüler auf. Ein sehr artiger Junge." Bereits als Schüler der achten Klasse sinnierte Richard Nixon über seine Zukunft. Ein Aufsatz, in dem er über den Tod seines Bruders Arthur schrieb, endete mit den Worten: "Ich will später einmal in die Politik gehen, damit ich den Menschen etwas Gutes tun kann."

John F. Kennedy: Schwach in Latein

George W. Bush ist im Vergleich mit seinen späteren Amtskollegen ebenfalls in die Riege der Streber einzuordnen. Seine Lehrerin Mrs. Kearns hatte nichts auszusetzen - er kassierte reihenweise Einsen. Dagegen hatte John F. Kennedy in der achten Klasse vor allem in Latein Probleme. Die Lehrerin vermerkte auf dem Zeugnis: "Dieses Zeugnis ist nicht so gut wie das letzte. Das beruht vor allem auf den schwachen Leistungen im Fach Latein. Er kann es besser, als er es im vergangenen Schuljahr gezeigt hat." Auch an der Universität in Harvard glänzte der später so populäre Präsident nur durch mittelmäßige Leistungen: In Französisch und Geschichte erhielt er ein C, also nur "befriedigend".

Die Koordinatorin der Ausstellung hat ein Lieblingsexponat: Einen Brief, den Jimmy Carter während seiner Zeit an der Navy-Akademie verfasste. "Vielleicht könntest Du mir etwas häufiger schreiben, Mutter?", bat der 19-Jährige darin. Zu diesem Zeitpunkt war er gerade mal neun Tage von Zuhause weg - und litt unter fürchterlichem Heimweh.

Spiegel.de

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