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Rotschopf Paul Scholes: Pässe spielen, Tore machen, arbeiten

2007.04.04

Es gibt Spieler, deren Haarfarbe das Auffälligste an ihnen ist. Und doch sind sie für ihr Team unersetzlich. Paul Scholes ist so ein Fußballer. Seit seiner Jugend spielt er bei Manchester United - und ist in dieser Saison in der Form seines Lebens.

Einzelne Spieler, so scheint es, sind wichtiger als Mannschaften; Auszeichnungen von Einzelpersonen sind bald mehr wert als Titel oder Meisterschaften. In England ist man nahe an einer Überdosis: Wer wird den Titel des besten Spielers der Liga einheimsen: Didier Drogba oder Cristiano Ronaldo? Das Funkeln des Mannes aus Manchester oder die Effizienz des Chelsea-Stürmers? Bei solch eilfertiger Hast vergisst man vielleicht den dritten Mann, die Alternative. Kürzlich hat Cesc Fàbregas, Mittelfeldspieler bei Arsenal, die Sache so zusammengefasst: "Für mich ist Paul Scholes der Beste. Der kann einfach alles: Pässe spielen, Tore machen, arbeiten. Er ist seit Jahren an der Spitze. Ich hoffe, eines Tages sein Niveau zu erreichen, aber das wird nicht leicht."

Mittelfeldspieler Scholes: AP

Mittelfeldspieler Scholes: "Ich bin von großartigen Spielern umgeben"

Scholes der beste Spieler des Königreichs? Nach einer sechsmonatigen Pause aufgrund von Augenproblemen gleicht die Rückkehr des 32-Jährigen jedenfalls einer Wiederauferstehung. Seit Beginnn der Saison hält der Rotschopf an der Seite von Michael Carrick alle Fäden in der Hand und sorgt für die Entscheidungen. Er hat ManU das verlorene Gleichgewicht und die Tabellenführung wiedergegeben. Sein Trainer Alex Ferguson sagt: "Es ist fabelhaft, Paul in der Mannschaft zu haben. Er ist frisch, befreit, er scheint seinen Beruf mehr als zuvor zu lieben. Er ist unser bester Neuzugang der Saison. Seinetwegen funktioniert die Mannschaft. Er spielt lang oder kurz, dribbelt, greift an. Er zeichnet sich durch zwei Dinge aus, die man selten vereint findet: Hirn und Klasse."

Es hat sich also nichts groß geändert. Für Gary Neville hat Scholes schon immer die "besten Abschlüsse" des Vereins gemacht. Für Ryan Giggs die "besten Pässe". Für John Duncan, damals Lehrer an der Cardinal Langley School und erster Trainer des Rotschopfes, war er immer schon "der kleine Junge, der auf dem Platz ständig von den Gegnern verfolgt wurde. Sie standen Schlange, um den Winzling in die Zange zu nehmen. In der Regel gelang es Paul, den Stößen auszuweichen, und bei den seltenen Gelegenheiten, bei denen ihn die anderen Kinder doch erwischten, stand er auf, ohne etwas zu sagen, und rannte wieder los. Ich verstehe nicht viel von Fußball, aber ich habe gesehen, dass ihm der Ball immer am Fuß klebte, während er vor den Mitschülern floh. Die einzige Anweisung, die ich den anderen Jungs gab, war, ihm einfach den Ball zuzuspielen."

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Ausgabe 04/07

Da haben wir es, das Bild: ein unentbehrlicher Spieler, von seinesgleichen als einer der talentiertesten anerkannt. Nur dass der Betreffende diese Art schmeichelnder Einhelligkeit so gar nicht mag. Über seine Saison sagt er: "Ich bin von großartigen Spielern umgeben, Ryan Giggs, Louis Saha, Wayne Rooney, Cristiano Ronaldo und all den anderen. Es ist leicht, mit Jungs von diesem Niveau zu spielen. Für mich läuft alles gut, aber ich glaube nicht, dass ich meine Bestform wieder erreicht habe. Ich treffe noch nicht häufig genug, ich bin noch nicht ausschlaggebend genug." Was seine Karriere angeht, erklärt Scholes bescheiden: "Ich habe stets versucht, meinen Job so gut wie möglich zu machen. Der Fußball ist meine Leidenschaft, seit ich ganz klein war. Ich mag nur das. Manchester United ist mein Club, und meine gesamte Karriere hier verbracht zu haben, ist unglaublich. Als ich 1994 erstmals in der Premier League spielte, haben mir die Älteren geholfen, haben mich geleitet. Jetzt ist es an mir, das gleiche für die Jungen im Verein zu tun."

Scholes verkauft nichts, vor allem nicht sich selbst. Der Mann aus Manchester hat weder einen Agenten - "Was soll ich damit?" - noch Werbeverträge - "Ich habe Angebote, aber das interessiert mich nicht" -, denn Geld hatte für ihn nie Priorität. 1995 wurde jedem Spieler von Manchester United für ein Werbevideo eine Prämie von umgerechnet 1100 Euro ausgezahlt. Die Stars in der Mannschaft schlugen daraufhin vor, alles in einen Topf zu werfen, um dann einen einzigen Gewinner auszulosen. Die jungen Spieler, weniger wohlhabend als die Stars, lehnten ab und behielten ihr Geld. Doch Scholes war zu schüchtern und traute sich nicht, sein Geld zu nehmen. Es wurde also gelost: Cantona war der Gewinner, und Scholes sah ein Drittel seines Monatsgehalts schwinden. Doch der Franzose, ganz Gentleman, belohnte freudig die Zurückhaltung des Rotschopfes, indem er ihm seinen Anteil zurückgab.

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"Ich kenne Paul seit etwa 15 Jahren", erzählt Gary Neville. "Er war immer schon extrem diskret und zurückhaltend." Der bestätigt: "Eine öffentliche Person zu sein, ist für mich ein Problem. Ich hasse es, über mich selbst zu reden, das ist mein größter Albtraum." Im letzten Oktober hat es Scholes trotzdem auf die Titelseiten geschafft. "Scheiß Schwuler" hat er - allem Anschein nach - dem Schiedsrichter im Champions-League-Spiel gegen Benfica Lissabon entgegengeschleudert. Einige Verbände, die sich dem Kampf gegen die Homophobie verschrieben haben, meldeten sich daraufhin lautstark zu Wort, doch aus Mangel an Beweisen wurde die Sache schnell zu den Akten gelegt.

Scholes ist kein Mann für die Klatschpresse. Schon 1996 mussten sich die Medien im Königreich von den Schlagzeilen verabschieden. "Das Starlet von Manchester leidet an einer schrecklichen Form von Asthma, er wird vermutlich nur noch wenige Spiele überleben", meldeten sie und fühlten sich ihrer Verkaufszahlen sicher. Elf Jahre danach ist Paul Scholes immer noch da. Allein sein Spiel verdient es, dass man Lärm darum macht.

Spiegel.de

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