Netzwelt-Ticker: MySpace-Nutzer wählen US-Präsidenten
2007.04.04MySpace wählt den Präsidenten, Drohung von 45 Jahren Knast für Hacker, Seoul verwandelt sich in einen Hotspot. Das und mehr im Überblick.
Wii: Siegeszug in Altenheimen hält an
Schon im Februar wurde der Erfolg von Nintendos Wii-Konsole bei alten Menschen mit Erstaunen festgestellt, Berichte über amerikanische Altenheimbewohner machten die Runde, die sich mit Leidenschaft der Konsolenversion des Bowling hingeben. Nun meldet Daily Tech, dass Altenheimbetreiber dazu übergehen, ihre Häuser serienmäßig mit den Spielgeräten auszustatten. Erickson Retirement Communities unterhält zum Beispiel 18 Altenheime mit insgesamt 19.000 Bewohnern, und in jedem Haus gibt es nun auch das elektronische Spielzeug aus Fernost. Nicht nur die Videospielindustrie wundert sich, auch die Alten selber sind verblüfft, plötzlich zur Zielgruppe der Videogamer zu gehören. "Ich bin jetzt 82 Jahre alt und habe diesen Teil der Kultur nicht mitbekommen. Seifenopern schon, aber keine Videospiele", wird eine Altenheimbewohnerin aus Virginia zitiert. Bis sie eines Tages eine Wii-Konsole in die Hand bekam und Tennis ausprobierte, was sie auf dem Platz seit ihren Schulzeiten nicht mehr gespielt hatte. Von den verschiedenen angebotenen Sportarten scheint Bowling bei den Alten am meisten anzukommen. Es bringt die Menschen zusammen, vor allem aber muss man in der virtuellen Variante keine Sieben-Kilo-Kugeln mehr in die Hand nehmen. Eine kleine Gruppe wirklich Game-begeisterter Senioren hat auch die härteren Sachen übrigens schon vor einiger Zeit für sich entdeckt.
MySpace: Präsidentschaftswahlen bereits an Neujahr
Alle starren auf die amerikanischen Präsidentschaftswahlen im nächsten Jahr, also auch die virtuelle Welt. Mit seinen über 100 Millionen Mitgliedern würde die Onlineplattform MySpace in der realen Welt den elftgrößten Staat des Planeten darstellen. Wenn MySpace an den ersten beiden Januartagen 2008 Online-Vorwahlen für seine in den USA gemeldeten Mitglieder abhält, kann man sicher sein, dass die Kandidaten für das höchste Amt der USA diese Veranstaltung ernstnehmen. Auch wenn ihre Bemühungen auf MySpace bislang auf ziemlich viel satirischen Widerstand stoßen.
Politiker-Reservat: Peinliche Pannen bei MySpace
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Natürlich gehen die Online-Ergebnisse in keine offizielle Wertung ein. Erst im Februar beginnen die echten Vorwahlen in New Hampshire, "aber die MySpace-Abstimmung wird für die Kandidaten der erste Test dafür sein, wo sie stehen", wird MySpace-Gründer Tom Anderson zitiert. Gewisse Zweifel sind da erlaubt. Traditionell sind MySpace-Accounts für Demoskopen von eher geringer Aussagekraft. Ohne die Notwendigkeit, bei der Registrierung verlässliche persönliche Daten anzugeben, ist die Wahrscheinlichkeit von Fake-Accounts recht hoch. Was es ziemlich einfach macht, einen Haufen von gefälschten Profilen anzulegen und die elektronische Wahlurne zugunsten eines Kandidaten zu füllen.
Microsoft patcht außer der Reihe
Eine Woche eher als geplant hat Microsoft seinen neuen Software- Patch für sein neues Betriebssystem Vista und ältere Windows- Versionen veröffentlicht. Der Patch soll eine Sicherheitslücke beheben, die Microsoft vergangene Woche eingeräumt hatte. Vor allem Hacker aus dem chinesischen Raum hatten seitdem vermehrt versucht, Windows-Computer anzugreifen. Das Problem war in den "ani"-Files gefunden worden, die Mauszeiger während des Rechenvorgangs in Sanduhren, Tiere oder animierte Figuren verwandeln. Durch die Lücke können Hacker Schadcode in Computer schleusen und so Usernamen und Passwörter stehlen, indem sie die Tastaturbewegungen des Benutzers aufzeichnen. Microsoft hat Nutzer aufgefordert, den Notfall-Patch mit der Nummer MS07-017 von der Security-Update-Seite der Firma herunterzuladen. Bei der Veröffentlichung von Vista im Januar hatte Microsoft das neue Betriebssystem noch als sicherste Software aller Zeiten bezeichnet.
Südkoreas Hauptstadt Seoul mit flächendeckendem Breitbandzugang
Es ist wieder Zeit, mit Neid und Missgunst nach Südkorea zu blicken: Gestern wurde die Hauptstadt Seoul zur "tragbaren Stadt" erklärt, denn dank der Korea Telecom verfügt die Stadt an jedem Ort über mobilen Breitbandzugang. Der Datendurchsatz soll bei drei MBit/s liegen und es gestatten, sogar innerhalb von Fahrzeugen bis zu einer Geschwindigkeit von 120 km/h zu surfen. Während der feierlichen Eröffnung sagte Koreas Bürgermeister Oh Se-hoon: "Wir haben geschafft, woran New York, London, Paris und Tokio gescheitert sind." Der Zugang ins stadtweite Netz soll mit umgerechnet acht bis 32 Euro monatlich zu Buche schlagen.
Britischem Hacker drohen 45 Jahre Gefängnis in den USA
RICHARD MEUSERS
... betrachtet von Köln aus die Entwicklung der Medienwelt und schreibt darüber; wenn noch Zeit bleibt, pflanzt und gärtnert er auch gern. Gary McKinnon stehen möglicherweise 45 ungemütliche Jahre bevor. Der britische Hacker verlor gestern vor dem britischen Court of Appeal seinen Einspruch gegen sein Auslieferungsverfahren in die USA, wie die BBC berichtet. Dort möchte man den Mann gerne vor Gericht stellen, weil er in den Jahren 2001 und 2002 wiederholt in insgesamt 97 Computer diverser Netze von US-Behörden eingedrungen war, darunter die NASA, das Verteidigungsministerium sowie Heer, Luftwaffe und Marine der USA. Das hat McKinnon auch nie bestritten, wohl aber irgendwelche üblen Absichten. Er habe nur nach geheimen Informationen über UFO-Technologien gesucht. Gleichwohl verursachte er nach Angaben von US-Stellen einen Schaden von 700.000 US-Dollar. Die letzte Hoffnung des 41jährigen ist nun das House of Lords, das britische Oberhaus, an das sich McKinnon nach Angaben seines Anwaltes wenden will..
Spiegel.de
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