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Geisel-Krise: Iran stellt britische Soldaten im Staatsfernsehen zur Schau

2007.03.29

Es sind die ersten Bilder der britischen Soldaten seit ihrer Festnahme vor fünf Tagen: Aufnahmen des iranischen Staatsfernsehens zeigen die Seeleute beim Essen. Zugleich brüstet sich das Mullah-Regime mit angeblichen Geständnissen der Gruppe.

Teheran/London - Das iranische Staatsfernsehen strahlte am Abend Videoaufnahmen einer britischen Soldatin und ihrer ebenfalls in Iran festgehaltenen britischen Kameraden aus. Das Video zeigt die Gruppe beim Essen. Die 26-jährige Frau trägt ein weißes Gewand und hat ein Kopftuch lose über ihrem Haar drapiert.

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Foto: AFP

Video: Reuters
"Mein Name ist Faye Turney", identifiziert sich die Frau in den Aufnahmen. Sie komme aus England, habe auf "Foxtrot 99" gedient und sei seit neun Jahren in der Navy, sagt sie weiter. "Offensichtlich haben wir (die Grenze) überschritten", erklärt die Soldatin dann in dem Video, das vom arabischsprachigen Sender al-Alam ausgestrahlt wurde, der im gesamten Nahen Osten über Satellit zu empfangen ist. Außerdem wurde Turney in Uniform beim Essen mit den Soldaten gezeigt und beim Rauchen einer Zigarette. Wo die Bilder entstanden, blieb unklar.

Der Sender zeigte auch eine kurze Szene, in der offenbar britische Soldaten auf offener See in einem iranischen Boot sitzen. Möglicherweise entstanden diese Bilder unmittelbar nach der Festnahme der Soldaten durch iranische Revolutionsgarden am vergangenen Freitag.

Zudem ist ein handgeschriebener Brief zu sehen, den Turney an die Adresse ihrer Familie gerichtet haben soll. Unabhängig von dem TV-Bericht erklärte die iranische Botschaft in London fast zeitgleich, sie sei im Besitz eines solchen Schreibens und habe es an die britische Regierung weitergeleitet. In dem Brief schreibe die Matrosin: "Wir wurden verhaftet, weil wir offensichtlich in iranische Gewässer gefahren waren. Ich wünschte, es wäre nicht passiert, weil ich dann längst bei Euch zu Hause wäre." Weiter zitiert die Botschaft: "Die Menschen hier sind sehr nett und gastfreundlich, sehr mitfühlend und warmherzig." Ihre Eltern sollten sich keine Sorgen machen, sie hoffe darauf, bald wieder nach Hause zu kommen.

Irans Außenminister hatte heute am Rande des Gipfeltreffens der Arabischen Liga im saudi-arabischen Riad angekündigt, die einzige Frau unter den festgehaltenen 15 britischen Militärangehörigen solle heute oder morgen freikommen.

Das Gebiet des Schatt al-Arab SPIEGEL ONLINE

Das Gebiet des Schatt al-Arab

Die britische Regierung kritisierte die Vorführung ihrer Soldaten im iranischen Staats-TV scharf. "Es ist völlig inakzeptabel, dass diese Bilder im Fernsehen gezeigt werden", sagte ein Sprecher des Außenministeriums in London. Die Regierung sei außerdem sehr besorgt um Faye Turney. Mit Blick auf ihre Aussage, ihre Einheit sei "offensichtlich" in iranische Hoheitsgewässer geraten, erklärte der Sprecher: "Wir sind sehr besorgt darüber, unter welchen Umständen sie diese Angaben gemacht hat."

Als Reaktion auf die Krise hatte Großbritannien heute alle bilateralen Kontakte zur Regierung in Teheran abgebrochen. "Wir befinden uns jetzt in einer neuen Stufe der Diplomatie", sagte Außenministerin Margaret Beckett vor dem Parlament. Die Freilassung der 15 britischen Marinesoldaten und Seeleute habe oberste Priorität. "Wir werden deshalb alle anderen offiziellen bilateralen Kontakte mit Iran stoppen, bis die Angelegenheit gelöst ist", erklärte Beckett.

So sollen iranische Regierungs- und Behördenvertreter vorerst keine Visa mehr erhalten. Zudem friert die Regierung in London staatliche Hilfen für Handelsprojekte mit Iran ein, wie ein britischer Regierungsvertreter erläuterte. Premierminister Tony Blair sagte, es sei an der Zeit "den diplomatischen und internationalen Druck zu erhöhen, um sicher zu gehen, dass die iranische Regierung ihre völlige Isolation in dieser Angelegenheit begreift".

Britisches Militär legt Satellitendaten vor

Die britische Regierung legte zudem Satellitendaten vor, die belegen sollen, dass die festgenommenen Soldaten nicht in die Gewässer der Islamischen Republik eingedrungen sind. Demnach sollen die 15 Soldaten bei ihrer Festnahme auf dem Schatt al-Arab 1,7 Seemeilen (rund 3,1 Kilometer) von der Grenze zu Iran entfernt gewesen. Das britische Verteidigungsministerium stützt sich dabei auf Aufnahmen, die mit dem Satellitensystem GPS gemacht wurden.

Die iranische Nachrichtenagentur Irna zitierte dagegen einen iranischen Regierungsvertreter, der angab, erste technische Untersuchungen belegten, dass sich die Seeleute in iranischen Gewässern befunden hätten.

Die Krise hat die wegen des Atomkonflikts ohnehin angespannten Beziehungen verschärft und vor allem auch an den Energiemärkten große Unsicherheit ausgelöst. Seit Beginn des Konflikts ist der Ölpreis deutlich gestiegen.

Unterstützung von EU und USA

Die EU und die USA sicherten Großbritannien ihre Unterstützung zu. "Nach Ansicht der EU ist es völlig inakzeptabel, dass Iran die Soldaten in Haft hält", sagte Bundeskanzlerin und Ratspräsidentin Angela Merkel vor dem Europäischen Parlament in Brüssel. Deutschland hatte am Dienstag den iranischen Botschafter einbestellt.

Ähnlich äußerte sich die US-Regierung. Sprecherin Dana Perino fügte hinzu: "Es gibt keine Eskalation der Spannungen von unserer Seite." Die US-Marine hält gerade im Golf Manöver ab.

phw/reuters/AP/dpa

Spiegel.de

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