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Daimler-Hauptversammlung: Deutsche-Bank-Tochter fordert Chrysler-Verkauf

2007.04.04

Eigentlich haben es alle gewusst, offiziell gesagt wurde es erst heute: DaimlerChrysler verhandelt über den Verkauf der Dauerkrisensparte Chrysler. Details blieb Konzernchef Zetsche auf der Hauptversammlung schuldig. Den Aktionären, darunter die Deutsche-Bank-Tochter DWS, war das nicht genug.

Berlin - Es ist ein Tag der Abschiede für DaimlerChrysler in Berlin. Der eine wurde bereits vollzogen, der andere ist ein eher schleichender, ein langes Good-bye von der Welt-AG-Vision. Einerseits schickte der Autokonzern auf seiner Hauptversammlung heute in Berlin den langjährigen Aufsichtsratschef Hilmar Kopper in Rente. Er stand stets für die enge Verflechtung des größten deutschen Bankhauses mit dem Autokonzern aus Stuttgart.

Zetsche-Rede vor 6900 Aktionären: Beifall für die Kritiker

DDP

Zetsche-Rede vor 6900 Aktionären: Beifall für die Kritiker

Andererseits bestätigte Konzernchef Dieter Zetsche zum ersten Mal, dass es Gespräche über die Trennung von der Konzernsparte Chrysler gibt. Zetsche sagte am Vormittag, "dass wir mit einigen der potentiellen Partner, die klares Interesse bekundet haben, Gespräche führen".

Daimler-Hauptversammlung: Harter Tag für Dieter Zetsche

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Nähere Angaben machte er nicht. Offen blieb zum Beispiel, ob der Konzern über einen kompletten Verkauf von Chrysler verhandelt oder sich nur von einem Teil trennen will. Er halte sich nach wie vor alle Optionen offen, um den "größtmöglichen Handlungsspielraum" zu haben, sagte Zetsche nur. Schon Mitte Februar hatte er auf der Bilanzpressekonferenz in Detroit angekündigt, zusätzlich zu einem neuen Sparprogramm "alle Optionen" für Chrysler prüfen zu wollen.

Die zur Deutschen Bank gehörende Fondsgesellschaft DWS äußerte sich kritisch zu den Sanierungsaussichten für Chrysler - und verlangte daher eine Abspaltung vom Mutterkonzern. "Wenn Chrysler am Ende zum Scheidungsrichter geführt würde, wären wir sehr dankbar", sagte Fondsmanager Henning Gebhardt auf der Hauptversammlung unter großem Beifall von Seiten der 6900 anwesenden Aktionäre. Es sei nicht überraschend gewesen, dass sich die US-Autokäufer bei steigenden Treibstoffpreisen von den schweren spritschluckenden Fahrzeugen der Chrysler-Gruppe abwenden.

DER TAG DER DAIMLER-HAUPTVERSAMMLUNG - MELDUNGEN IN KÜRZE

Daimler- Aktien starten etwas schwächer

Die Aktien von DaimlerChrysler haben am Mittwoch nach wenig konkreten Aussagen zur Zukunft der US- Tochter Chrysler leichte Verluste erlitten. Gegen 10.50 Uhr verloren die Titel nach frühen Gewinnen 0,69 Prozent auf 61,57 Euro. Der Dax gewann unterdessen 0,23 Prozent auf 7061,77 Zähler. DaimlerChrysler- Chef Dieter Zetsche hatte erstmals Gespräche mit Interessenten für die kriselnde US- Tochter Chrysler bestätigt, aber wenig Details genannt. "Eigentlich konnte nicht erwartet werden, dass Zetsche auf der Hauptversammlung konkrete Aussagen macht", sagte ein Händler. Solch eine dann grundlegende Neuausrichtung des Konzerns müsse gut vorbereitet werden und werde auch entsprechend bekannt gegeben. "Das Risiko, dass auf Nachfragen irgendwelche Formulierungsfehler entstehen, ist in dieser Größenordnung einfach zu hoch", so der Börsianer weiter. Dem schloss sich ein Analyst an. "Bevor die Geschichte nicht wasserdicht abgeschlossen ist, tut DaimlerChrysler gut daran, nichts an die Öffentlichkeit dringen zu lassen". Positiv sei zunächst einmal, dass es tatsächlich einige Interessenten für Chrysler gebe. Für den Experten wäre aber eine Sanierung und dann ein möglicher Börsengang oder Teilverkauf von Chrysler sinnvoller als ein Komplettverkauf.

US- Presse: Drei Käufer im Rennen um Chrysler

Die Finanzinvestoren Cerberus und Blackstone sowie der kandadische Autozulieferer Magna haben einem Zeitungsbericht zufolge Kaufofferten für Chrysler abgegeben. Der Mutterkonzern wolle bis Ende April einen Bieter als exklusiven Verhandlungspartner auswählen und hoffe auf einen Preis von rund acht Milliarden Dollar, berichtete die US- Tageszeitung "Detroit News".

Kritische Aktionäre regen Chrysler- Übernahme durch Mitarbeiter an

Die Kritischen Aktionäre DaimlerChrysler (KADC) rechnen mit einer schnellen Trennung von der Konzerntochter Chrysler, haben aber vor übereilten Entscheidungen gewarnt. Es gehe nicht um einen möglichst schnellen Verkauf, es müssten auch die Interessen der Chrysler- Beschäftigten berücksichtigt werden, sagte KADC- Sprecher Alexander Dauensteiner kurz vor Beginn der Hauptversammlung. Seine Kollegin Beate Winkler- Pedernera warnte vor Massenentlassungen bei Chrysler, falls Finanzinvestoren wie Cerberus oder Blackstone zum Zuge kommen sollten. Sie regte im SWR eine Übernahme durch die Mitarbeiter an. Das hätte steuerliche und auch Imagevorteile für Daimler. Die Kritischen Aktionäre machten Vorstandschef Dieter Zetsche für die misslungene Integration von Chrysler, eine verfehlte Modellpolitik und mangelndes ökologisches Denken persönlich verantwortlich. "Daher fordern wir, dass ... Zetsche auch gleich seinen Hut nimmt und das Feld jemand anderem überlässt, der bessere Ideen hat", sagte Winkler- Pendernera.

DaimlerChrysler will neue Modelle mit Hybrid- Motor anbieten

DaimlerChrysler setzt verstärkt auf Hybrid- Antriebe. "Wir werden keine neuen Fahrzeuge mehr entwickeln, die nicht die Hybrid- Option erlauben", sagte Vorstandschef Dieter Zetsche auf der Hauptversammlung in Berlin. Zudem werde DaimlerChrysler seine Verbrennungsmotoren weiterentwickeln, um Schadstoffausstoß und Verbrauch zu senken. Derzeit entwickelt Mercedes- Benz unter anderem einen Nachfolger für die E- Klasse und ein geländegängiges Modell der C- Klasse. Den ersten Hybrid- Antrieb will Mercedes- Benz 2009 auf den Markt bringen. Die US- Tochter Chrysler will bis 2009 unter anderem 20 neue Fahrzeuge auf den Markt bringen und setzt dabei verstärkt auf verbrauchsgünstige Motoren. Erste Chrysler- Modelle mit Hybrid- Antrieb sollen 2008 verfügbar sein. Hybrid- Antriebe kombinieren einen Verbrennungsmotor mit einem Elektroantrieb und gelten als verbrauchs- und emissionsärmer als reine Verbrennungsmotoren. Weltweit führend bei dieser Technologie sind derzeit japanische Autohersteller.

EADS- Kapitalerhöhung - Daimler streitet mit Paris

Im Verwaltungsrat des europäischen Luft- und Raumfahrtkonzerns EADS besteht einem Zeitungsbericht zufolge abermals Uneinigkeit zwischen den industriellen Aktionären und dem französischen Staat. Paris widersetze sich einer Kapitalerhöhung durch Wandelanleihen oder einer anderen Form von festverzinslichen Wertpapieren, schreibt die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" unter Berufung auf dem Luft- und Raumfahrtkonzern nahe stehende Personen. Diesen Weg befürworteten das Management sowie die Großaktionäre DaimlerChrysler und Lagardère, weil das Unternehmen so zu neuen Mitteln käme, ohne in naher Zukunft die Anteile der bestehenden Aktionäre zu verwässern. Die französische Regierung soll dagegen auf eine einfache Kapitalerhöhung beharren, weil sie zu einer raschen Anteilserhöhung des Staates führen könne, sollten die Altaktionäre - so wie zu vermuten wäre - kein neues Geld einschießen wollen.

Chrysler drohe dauerhaft den Anschluss zu verlieren. Das neue Geschäftsmodell sei noch nicht ausreichend klar, die für 2009 geplante Umsatzrendite von 2,5 Prozent unbefriedigend. Fraglich sei zudem, in welchem Ausmaß Chrysler von möglichen Kreditausfällen auf seinem nordamerikanischen Heimatmarkt betroffen sein könnte. DWS ist eine der größten deutschen Fondsgesellschaften. Die Deutsche Bank zählte über Jahrzehnte zu den größten Aktionären des DaimlerChrysler-Konzerns, hat ihren Anteil inzwischen jedoch auf rund 4,4 Prozent reduziert.

Auch Vertreter der Kleinaktionäre zeigten sich gefrustet. Lars Labryga von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) sagte, die Fusion der beiden Autobauer sei "von vorne bis hinten eine einzige Fehlentscheidung gewesen". "Ein Verbleib von Chrysler im Konzern ist keine Option", sagte auch Sprecher der Kleinaktionärsvereinigung DSW, Hans Richard Schmitz. "Was fehlt, ist die klare und schnelle Exekution des Verkaufs." Zetsche solle nicht länger zaudern, forderte er. Andernfalls übernehme ein Finanzinvestor die Abtrennung.

Zetsche kündigte in seiner Rede weiter an, in den kommenden drei Jahren werde die Ertragskraft DaimlerChryslers deutlich steigen. "Mittelfristig wollen wir erreichen, dass sich das bei uns eingesetzte Kapital mit mindestens zehn Prozent nach Steuern verzinst." Einen detaillierteren Ausblick auf das laufende Geschäftsjahr will Zetsche bei Bekanntgabe der Zahlen für das erste Quartal am 15. Mai geben.

Zetsche bestätigte zudem frühere Zielvorgaben des Konzerns. So soll die Mercedes Car Group (Mercedes, Smart, Maybach) in diesem Jahr eine Umsatzrendite von mindestens 7 Prozent erwirtschaften. Gleiches gilt im Schnitt für die Lastwagensparte, hier allerdings sind zyklische Schwankungen eingeplant. In diesem Jahr sei vor allem in den USA und Japan mit einem deutlichen Rückgang des Marktes zu rechnen. Der defizitäre Kleinwagenbauer Smart soll operativ in die schwarzen Zahlen fahren.

Der Abschied Koppers prägte den Beginn der Daimler-Hauptversammlung in Berlin. "Ich wünsche Ihnen Gutes", sagte der Manager sichtlich bewegt. "Möge der Konzern DaimlerChrysler auch in Zukunft Erfolg haben." Der frühere Deutsche-Bank-Chef stand seit 17 Jahren an der Spitze des Kontrollgremiums.

itz/dpa/Reuters/AFP

Spiegel.de

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